Mitarbeiterin analysieren Finanzdaten und Diagramme am Laptop im Rahmen der Liquiditätsplanung.

13-Wochen-Liquiditätsplanung: So erkennen Unternehmen Liquiditätsrisiken frühzeitig

Die Auftragslage stimmt. Das Unternehmen arbeitet profitabel. Die aktuellen Finanzzahlen sehen solide aus. Auch die verfügbare Liquidität scheint ausreichend.

Und dann verschiebt sich etwas.

Ein wichtiger Kunde zahlt später. Eine größere Lieferantenrechnung wird früher fällig. Gehälter und Steuern stehen an. Eine Investition wird zahlungswirksam. Gleichzeitig verschiebt sich ein erwarteter Zahlungseingang.

Einzeln betrachtet vielleicht kein Problem. In der zeitlichen Kombination möglicherweise schon.

Und plötzlich wird aus „Unsere Liquidität ist gut“ eine wesentlich spannendere Frage:

Wissen Sie heute, wie sich der finanzielle Handlungsspielraum Ihres Unternehmens in 4, 8 oder 13 Wochen entwickeln könnte?

Was ist Liquiditätsplanung?

Liquiditätsplanung betrachtet, welche Ein- und Auszahlungen in einem bestimmten Zeitraum erwartet werden und wie sich daraus der verfügbare finanzielle Handlungsspielraum eines Unternehmens entwickelt.

GuV, Bilanz, BWA, Management-Reporting und aktuelle Bankbestände liefern wichtige Informationen über die wirtschaftliche Situation. Für eine vorausschauende Liquiditätssteuerung reicht der Blick darauf allein jedoch nicht.

Denn Umsatz ist noch keine Einzahlung. Eine Forderung ist noch kein verfügbarer Zahlungsmittelbestand. Und ein heute komfortabler Kontostand sagt wenig darüber aus, wann zukünftige Ein- und Auszahlungen tatsächlich zusammentreffen.

Genau hier setzt eine vorausschauende Liquiditätsplanung an.

Warum 13 Wochen Liquiditätsplanung?

Eine rollierende 13-Wochen-Liquiditätsplanung verbindet operative Nähe mit einem vorausschauenden Blick auf die kommenden Wochen.

Der Zeitraum ermöglicht es, erwartete Zahlungsströme nicht nur für die unmittelbare Zukunft zu betrachten, sondern Entwicklungen über mehrere Wochen hinweg sichtbar zu machen. So kann erkennbar werden, wie sich der Liquiditätsspielraum verändert, wenn beispielsweise Kundenzahlungen später eingehen, größere Rechnungen fällig werden oder zusätzliche Auszahlungen entstehen.

Dabei geht es nicht darum, die Zukunft auf den Euro genau vorherzusagen. Es geht darum, früher zu erkennen, was auf das Unternehmen zukommen könnte und damit Zeit zum Handeln zu gewinnen.

Was gehört alles in eine Liquiditätsplanung?

Eine belastbare Liquiditätsplanung betrachtet mehr als den aktuellen Kontostand. Entscheidend sind insbesondere die erwarteten Zahlungsströme und die Annahmen, auf denen der Forecast basiert.

Zu den zentralen Fragestellungen gehören:

  • Welche erwarteten Zahlungseingänge sind belastbar?
  • Welche Auszahlungen werden in den kommenden Wochen fällig?
  • Welche Annahmen stecken im Liquiditätsforecast?
  • Was verändert sich, wenn Kunden später zahlen oder Auszahlungen früher eintreten?
  • Welche Auswirkungen können Veränderungen im Working Capital haben?
  • Wann wird aus einer Abweichung tatsächlicher Handlungsbedarf?

Ob ein Unternehmen dafür mit Tabellenkalkulationen, ERP-, Treasury-, Planungs- oder BI-Systemen oder spezialisierten Anwendungen arbeitet, hängt von Unternehmensgröße, Geschäftsmodell, Prozessen und Systemlandschaft ab.

Entscheidend ist nicht allein das eingesetzte Tool, sondern die Qualität der zugrunde liegenden Informationen und Annahmen.

Wie sieht eine gute Liquiditätsplanung aus?

Eine wirksame kurzfristige Liquiditätsplanung verbindet Zahlungsströme, Datenqualität, Forecast-Annahmen, Working Capital, Szenarien, relevante Kennzahlen und klare Verantwortlichkeiten.

Ein Forecast allein schafft deshalb noch keine aktive Liquiditätssteuerung.

Je nach Geschäftsmodell und Situation können beispielsweise DSO, DPO, Cash Conversion Cycle, Headroom oder Runway zusätzliche Perspektiven liefern.

Doch welche Kennzahl ist wann relevant? Welche Annahmen sollten kritisch hinterfragt werden? Welche Entwicklungen verdienen besondere Aufmerksamkeit? Und wann sollte aus Beobachtung eine Entscheidung werden?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Gerade deshalb ist das Verständnis der Zusammenhänge wichtiger als das eingesetzte Tool. Eine gute Liquiditätsplanung macht nicht nur Zahlen sichtbar, sondern hilft dabei, Entwicklungen einzuordnen, Annahmen zu hinterfragen und möglichen Handlungsbedarf frühzeitig zu erkennen.

Wer erstellt eine Liquiditätsplanung?

Kurzfristige Liquiditätsplanung betrifft nicht nur CFO, Treasury oder Geschäftsführung.

Mitarbeitende in Finance, Accounting, Controlling, Treasury und angrenzenden kaufmännischen Funktionen liefern, verarbeiten oder plausibilisieren häufig Informationen, die für einen belastbaren Forecast relevant sind.

Personen mit Fach-, Budget-, Führungs- oder Managementverantwortung müssen Entwicklungen einordnen, Risiken verstehen und Entscheidungen vorbereiten oder treffen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Zahlen vorliegen, sondern ob die Beteiligten verstehen, was diese Zahlen und die dahinterliegenden Annahmen für die kommenden Wochen bedeuten können.

Wie oft sollte eine Liquiditätsplanung aktualisiert werden?

Eine rollierende Liquiditätsplanung lebt davon, dass sie nicht einmalig erstellt und anschließend abgelegt wird. Neue Informationen und tatsächliche Entwicklungen müssen regelmäßig in die Betrachtung einfließen.

Bei einer rollierenden Liquiditätsplanung auf Wochenbasis wird der Blick auf die kommenden Wochen fortlaufend aktualisiert. So können Veränderungen bei erwarteten Zahlungsströmen, Annahmen und möglichen Risiken frühzeitig sichtbar werden.

Die konkrete Ausgestaltung hängt dabei vom Geschäftsmodell, der Unternehmensgröße, den Prozessen, den verfügbaren Daten und der jeweiligen Situation ab.

Wie macht man eine Liquiditätsplanung?

Ausgangspunkt sind die verfügbaren liquiden Mittel sowie die erwarteten Ein- und Auszahlungen der kommenden Wochen.

Diese Zahlungsströme werden zeitlich eingeordnet und den jeweiligen Planungsperioden zugeordnet. Anschließend gilt es, die zugrunde liegenden Annahmen zu hinterfragen und mögliche Veränderungen zu berücksichtigen: Was passiert beispielsweise, wenn ein wichtiger Kunde später zahlt, eine Ausgabe früher anfällt oder sich das Working Capital verändert?

Eine belastbare Liquiditätsplanung betrachtet deshalb nicht nur einen einzelnen Forecast, sondern auch mögliche Szenarien und relevante Abweichungen.

Welche Systeme, Kennzahlen und Prozesse dafür sinnvoll sind, hängt von der jeweiligen Unternehmenssituation ab.

Wie belastbar ist Ihre Liquiditätsplanung?

Die folgenden vier Fragen helfen Ihnen zu beantworten, wie belastbar Ihre Liquiditätsplanung ist.

  1. Wie könnte sich unsere verfügbare Liquidität in den kommenden 13 Wochen entwickeln?
  2. Welche Annahmen beeinflussen unseren Liquiditätsforecast aktuell besonders stark?
  3. Wann könnte sich unser finanzieller Handlungsspielraum wesentlich verändern?
  4. Ist klar, wie relevante Abweichungen erkannt, bewertet und adressiert werden?

Wer bei einer oder mehreren Fragen zögert, hat nicht automatisch ein Liquiditätsproblem.

Aber möglicherweise eine Transparenz- oder Steuerungslücke.

Und genau diese kann entscheidend werden, wenn die Realität anders verläuft als geplant.

Was ist das Ziel der Liquiditätsplanung?

Das Ziel einer vorausschauenden Liquiditätsplanung ist es, kurzfristige Zahlungsströme transparenter zu machen, Annahmen systematisch zu hinterfragen und mögliche Liquiditätsrisiken frühzeitig sichtbar zu machen.

Eine rollierende 13-Wochen-Liquiditätsplanung kann dabei helfen, Veränderungen des finanziellen Handlungsspielraums zu erkennen, bevor aus einem Risiko ein akuter Engpass wird.

Doch eine Planung allein ist noch keine fertige Lösung. Entscheidend ist, die Zusammenhänge zu verstehen und sie für die jeweilige Unternehmenssituation richtig einordnen zu können.

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Foto von Tomislav Budimir
Unternehmensberater und Interim Manager mit Schwerpunkt Finance

Tomislav Budimir

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