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Kostenfreie Umbuchungen vom 09.04.2020 - 31.08.2020 möglich
 
Baulicher Brandschutz

Radon

 Radon Schulung: Radonbelastung in Gebäuden erkennen, bewerten und sanieren.

Das gesundheitliche Schädigungspotential von Radon in Innenräumen wurde lange Zeit massiv unterschätzt. Mittlerweile gilt das radioaktive Gas, das aus dem Erdreich entweicht und sich in Gebäuden anreichern kann, als mögliche Ursache für Erkrankungen an Lungenkrebs. "Die Ablagerung der radioaktiven Zerfallsprodukte des Radons in der Lunge und der Zerfall von im Körper verbliebenem Radon gelten nach dem Tabakrauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland" (BMU, Radonmaßnahmenplan, 2019).

Zum 31.12.2018 trat in Deutschland das neue Strahlenschutzgesetz in Kraft, welches weitreichende Auswirkungen auf die Bauwirtschaft, sowohl im Neubau als auch im Bestand, haben wird. Erstmalig wird in Deutschland der Schutz von Menschen vor Radon gesetzlich geregelt und fordert von Planern und Ausführenden am Bau neue Kenntnisse und Fertigkeiten zum radonsicheren Bauen und Sanieren.


Zielgruppe

Architekten, Ingenieure, Techniker, Handwerker, Sachverständige, Fachkräfte der Wohnung- und Immobilienwirtschaft.

Zu unseren Weiterbildungen zum Thema Radon

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Bau 2020
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Seminare

1. Nürnberger Radonkonferenz 2020.
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06.11.2020 in Nürnberg.
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Inhalt


  • Sie lernen die relevanten Vorschriften und Regeln zum rechtsicheren Umgang mit Radonbelastungen in Innenräumen.

  • Sie wissen wie gerichtsfeste Radonmessungen und deren Dokumentation zu erfolgen hat.

  • Sie erlangen Expertenwissen über Ablauf und Umfang einer fachgerechten Instandsetzung von Radonbelasteten Gebäuden.

  • Sie können Gutachten sowohl rechtlich korrekt als auch mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand erstellen.

  • Mit dem anerkannten Personenzertifikat dokumentieren Sie werbewirksam Ihre Fachkompetenz.

 

Von der Sachkunde zum Messdienstleister, Sanierungsprofi oder Sachverständigen mit Zertifikat.

Smart Home Seminare

Modul 1 - Sachkunde, 2 Tage

Grundlagenwissen zum baulichen Umgang mit Radon


  • Eigenschaften, Vorkommen und Gesundheitsrisiko von Radon

  • Rechtlicher Rahmen

  • Radonmaßnahmenplan

  • Diagnostik und Bewertung

  • Personen- und Arbeitsschutzmaßnahmen

  • Radonprävention bei Neubauten

  • Möglichkeiten der Radonsanierung im Bestand

  • Erfolgskontrolle der Maßnahmen und Dokumentation

  • Sachkundeprüfung (optional)

Veranstaltungsorte: Köln, Nürnberg, Stuttgart

Modul 2a - Radon-Messdienstleister (TÜV), 1 Tag

Radonmessungen in Gebäuden normgerecht durchführen und gerichtsfest dokumentieren


  • Gesetzlicher und normativer Hintergrund von Radonmessungen

  • Messstrategie nach DIN ISO 11665-8: Erstbewertung

  • Messungen in Gebäuden und im Baugrund

  • Vorbereitung und Durchführung einer Messung

  • Bewertung der Radonsituation im Gebäude

  • Messgeräte und deren wirtschaftlicher Einsatz

  • Bewertung von Messergebnissen / Qualitätssicherung

  • Typische Fehler erkennen und vermeiden

  • Erfolgskontrolle nach Instandsetzung / Freimessung

  • Gerichtsfeste Dokumentation / Radongutachten vor Gericht

Veranstaltungsorte: Köln, Nürnberg, Stuttgart

Modul 2b - Projektleiter Gebäudeinstandsetzung bei Radonbelastung (TÜV), 2 Tage

Gebäudeinstandsetzung bei Radonbelastung fachgerecht planen und ausführen


  • Instandsetzungsplanung

  • Baustelleneinrichtung und Sicherungsmaßnahmen

  • Instandsetzungstechniken - technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll

  • Lüftungskonzepte

  • Regelwerke und Normen der Bauwerksabdichtung

  • Planung der Bauwerkabdichtung nach Einwirkungen für Neubau und Bestandsbau

  • Geeignete Produkte, Systeme, Baustoffzulassungen und Prüfungen

  • Abnahme von Instandsetzungsarbeiten

Veranstaltungsorte: Köln, Nürnberg, Stuttgart

Modul 3 - Sachverständiger für Erkennung und Bewertung von Radonbelastungen in Innenräumen (TÜV), 2 Tage

Sachverständigenwesen, Gutachten erstellen


  • Arten der gutachterlichen Tätigkeit und Haftung als Sachverständiger

  • Vergütung des Sachverständigen

  • Schutz vor Widerruf von (Bau-) Werkverträgen und von Sachverständigenverträgen

  • Ablauf von Gerichtsverfahren

  • Befangenheit eines Sachverständigen

  • Regeln der Technik

  • Mangel nach BGB und VOB/B

  • Grundzüge der VOB/C

  • Rechtsfolgen einer mangelhaften Werksleistung

  • Selbstständiges Beweisverfahren

  • Durchführung eines Ortstermins

  • Struktur und Inhalt eines Gutachtens

Veranstaltungsorte: Köln, Nürnberg, Stuttgart

Abschluss


  • Nach Teilnahme an Modul 1 folgt eine Sachkundeprüfung (1 Stunde). Nach erfolgreicher Prüfung haben Sie verschiedene Möglichkeiten der Fortbildung:

  • Durch Buchung von Modul 2a und erfolgreicher Prüfung zum "Radon Messdienstleister (TÜV)".

  • Durch Buchung von Modul 2b und erfolgreicher Prüfung zum "Projektleiter für die Sanierung von Radonbelastungen in Innenräumen (TÜV)".

  • Durch Buchung der Module 2a, 2b und 3 und erfolgreicher Teilnahme an einer Prüfung zum "Sachverständiger für die Erkennung und Bewertung von Radonbelastungen in Innenräumen (TÜV)".

 
TÜV Rheinland - Referenz

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Radon.

Dipl.-Ing. Karin Leicht, Sachverständige im Bereich Bauschäden / Bauwesen und Radonfachperson

Frau Leicht, worum handelt es sich bei Radon und ist es gefährlich?

Bei dem radioaktiven Zerfall von Uran entsteht Radon und tritt vor allem im Erdreich auf. Die dadurch entstehende Radonkonzentration fällt regional jedoch unterschiedlich stark aus. Das Edelgas kann durch den Menschen nicht wahrgenommen werden, da es farb-, geruchs- und geschmacklos ist. Radon ist im freien weitestgehend unbedenklich, da die Umgebungsluft die Konzentration sofort stark verdünnt und diese dadurch erheblich reduziert wird. Eine Gesundheitsgefährdung entsteht insbesondere dann, wenn Radon durch kleinste Spalten und Risse in erdberührten Bauteilen in das Gebäude eindringt und sich dort ansammelt. Denn wenn der Mensch sich über einen längeren Zeitraum dieser Radonkonzentration aussetzt, dann steigt damit das Risiko eine Lungenkrebserkrankung zu erleiden, signifikant an. Allerdings können durchaus Maßnahmen getroffen werden, um den Radongehalt in öffentlichen Gebäuden und insbesondere in Eigenheimen zu senken.

Gibt es eine Möglichkeit die Radonkonzentration in meinem Wohnort zu erfahren?

Grundsätzlich kann sich jeder einen Überblick über die jeweilige Radonkonzentration durch die Karte vom Bundesamt für Strahlenschutz verschaffen. Dadurch erhalten Sie einen Überblick von sehr groben Rastermessungen, welche die Radonkonzentration in der Bodenluft dokumentiert. Auch wenn sich Radon bei letzterem Punkt mit der Frischluft vermischt, so ist es dennoch auch im Freien nachweisbar. Auffällig ist, dass Radon schwerpunktmäßig in den Gebirgsregionen in Deutschland gemessen wird. Allerdings ist zu beachten, dass die Radonkonzentration nicht nur regional, sondern auch saisonal variiert. Dadurch kann die Intensität je nach Monat und auch von Jahr zu Jahr abweichen. Deshalb sollten die Ergebnisse der Bodenluftmessung nur als grober Anhaltspunkt gesehen werden und der Fokus auf das spezifische Gebäude gelegt werden, da die Radonkonzentration in Innenräumen stark von den Vorkommen in der Bodenluft abweichen kann.

Wie kann die Radonkonzentration in meinem Wohnraum gemessen werden?

Für die Messung der Radonkonzentration gibt es frei verkäufliche Exposimeter, welche bereits ab etwa 30 Euro erworben werden können. Das neue Strahlenschutzgesetz sieht eine Messung der Radonwerte über einen Zeitraum von einem Jahr vor, damit ein repräsentatives Ergebnis erzielt werden kann. Eine dreimonatige Messung kann allerdings bereits einen ersten Aufschluss bieten. Das Gerät wird zu Beginn aufgestellt und kann dort ohne weiteren Handlungsbedarf verbleiben. Vor allem sollte die Radonbelastung in den Aufenthaltsräumen wie der Küche oder dem Wohn- und Schlafzimmer gemessen werden. Für fundierte Aussagen für Ergebnisse oberhalb des Referenzwertes von mehr als 300 Bq/m² sollten Sie einen Experten zur Hilfe ziehen.

Welche Vorkehrungen können getroffen werden um Neubauten gegen Radon abzusichern?

Um einen Neubau gegen Radon abzudichten, gibt es sowohl für Architekten, die Bauunternehmen und auch die Bauherren einiges zu beachten. Grundsätzlich sollte die Funktionalität der Abdichtung im Fokus stehen. Hier ist insbesondere die luftdichte Ausführung bei den Abdichtungen der An- und Abschlüssen sowie der Hauseinführungen und Durchführungen durch erdberührte Bauteile von Bedeutung. Gerade da die Nachbesserungen in diesem Bereich nur mit großem Aufwand möglich sind, sollte diesem Bereich schon von Beginn an eine große Beachtung geschenkt werden. Im Vornherein ist eine Prüfung des Untergrundes sowie die Oberflächen, in die eine Gebäudeeinführung eingebaut wird, unerlässlich. Auch wenn die Hauseinführung oder die Durchführung noch so gut ist, können Kantenabplatzungen, wie beispielsweise im Beton, dennoch zu Undichtigkeiten führen. Allerdings kann dadurch nicht nur Radon, sondern auch Wasser in das Gebäude eintreten. Deshalb sollte bei der Betonage eine hochwertige Verdichtung des Betons gewährleistet sein, gerade im Bereich von Hauseinführungsprodukten. Zudem sollte unabhängig davon, ob die Einführungen im Boden oder der Wand verbaut werden, diese nahtlos und ohne Hohlräume vom Beton umgeben sein. Bislang wird bei der Durchführung häufig mit einer Rechteckaussparung in der Bodenplatte gearbeitet. Die Bodenplatte wurde also mit einem Freiraum eingegossen und im Nachhinein mit frischem Beton ausgefüllt. Allerdings verbindet sich der ältere Beton nicht nahtlos mit dem neuen Beton, wodurch Fugen und Risse entstehen, welche dann zum Eintritt von Feuchtigkeit und Radon führen kann.

Gerade in den letzten Jahren sind die Auflagen im Bereich Energieeinsparung und Brandschutz in Gebäuden immer strenger geworden. Nun sehen Experten das neue Strahlenschutzgrundgesetz als Grundlage, dass zukünftig auch deutlich mehr Richtlinien für das Radon erlassen werden. Wie sehen Sie die Thematik?

Bei Radon handelt es sich um ein Edelgas, welches bei vielen Hausherren, Architekten und Bauunternehmen hohe Wellen schlägt. Gerade da aktuell noch wenig Ausklärungsarbeit zu diesem Thema geleistet wird. Wahrscheinlich wird es hier in naher Zukunft Regelungen zu entsprechenden Nachweisen unter anderem in Bezug auf die Haftung geben. Dadurch würde mehr Klarheit herrschen, da es feste Richtlinien geben würde, wie es aktuell auch schon bei denen Themen wie Brandschutz und Energieeinsparungen der Fall ist. Falls Radon dann beispielsweise in einem Neubau eintritt, kann man dieses nach Werkvertragsrecht als Mangel geltend machen. Das würde wiederum Architekten und Baufirmen vor neue Herausforderungen stellen. Die mögliche Haftbarkeit und damit auch die entsprechend hohe Brisanz ist dabei derzeit noch vielen Bauschaffenden und Planern gar nicht bewusst. Es wird auch zwischen Gebäuden mit und ohne Keller unterschieden. So werden bei unterkellerten Gebäuden häufig offene Treppenhäuser gebaut, durch die sich das eindringende Edelgas leicht in den anderen Stockwerken verteilen kann. Bei Bauten ohne Keller wird dagegen häufig an der Abdichtung gespart, da es nicht "im Wasser" steht, allerdings öffnet man Radon, ohne eine luftdichte und funktionale Abdichtung, jedoch quasi direkt Tür und Tor.

Seit Jahresende 2018 ist das neue Strahlenschutzgesetz in Kraft getreten und hat so für Radon die Rahmenbedingungen in Form von den Referenzwerten gesetzlich festgelegt. Welche Konsequenzen hat das nun für die Architekten, Bauunternehmen und Bauherren?

Da Radon nach dem Rauchen als zweithäufigster Risikofaktor für Lungenkrebs darstellt, wurden die gesetzlichen Regelungen entsprechend verschärft um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Der Referenzwert für Radon in Innenräumen liegt bei 300 Bequerel pro Kubikmeter. Falls dieser Wert überschnitten wird, dann müssen entsprechende Maßnahmen zur Senkung durchgeführt werden, welche bei Bestandsgebäuden für Privatpersonen aktuell dem Gesetz nach freiwillig sind. Hingegen ist der Bauherr bei Neubauten bereits für die Radondichtigkeit verantwortlich. Zudem sind auch Arbeitgeber und Arbeitnehmer von dem neuen Strahlenschutzgesetz betroffen. Hier sollen speziell Arbeitsplätze im Keller und im Erdgeschoss, welche sich in sogenannten Radonvorsorgegebieten befinden, auf den Radongehalt geprüft werden. Die Arbeitgeber sind verpflichtet bei einem Übersteigen der Referenzwerte ebenfalls entsprechende Maßnahmen gegen die Radondichte einzuleiten. Die künftigen Radonvorsorgegebiete werden von allen 16 Bundesländern zurzeit ermittelt und müssen bis Ende 2020 bekannt gegeben werden.