Weiterbildungen im Bereich In Vitro DiagnostikaWeiterbildungen im Bereich In Vitro Diagnostika

In Vitro Diagnostika

Unsere Seminare im Bereich In-Vitro-Diagnostika vermitteln Ihnen die erforderlichen Kenntnisse um die Anforderungen an den Marktzugang mit den spezifischen Regularien zu erfüllen und den Markteintritt effizient und sicher zu gestalten. 

In-Vitro-Diagnostika sind eine Untergruppe der Medizinprodukte und werden zur Diagnose von Krankheiten und Kontrolle von Heilbehandlungsverläufen angewandt. Die Anforderungen an den Marktzugang unterliegen eigenen Regularien, die im Rahmen des CE-Kennzeichnungsverfahrens nachzuweisen sind.

Unsere Seminare vermitteln Ihnen die erforderlichen Kenntnisse um den Entwicklungsprozess erfolgreich zu gestalten. Sie kennen alle relevanten Vorgaben, die wesentlichen Schritte, den richtigen Ablauf. Sie lernen wie Sie Risikomanagement über den gesamten Produktlebenszyklus und eine hohe Gebrauchstauglichkeit sicherstellen.

Modularer Lehrgang mit anerkanntem TÜV-Abschluss: In-Vitro-Diagnostics Expert (TÜV).

Dieser modulare Lehrgang ermöglicht es Ihnen stufenweise, Ihre persönliche Qualifikation zum Experten für In-Vitro-Dignostika zu erwerben. Nach Teilnahme an allen 4 Seminarmodulen und bestandener Prüfung erbringen Sie den Nachweis Ihrer Qualifikation und Kompetenz um IVD normenkonform und entsprechend den regulatorischen Vorgaben zu entwickeln und in Verkehr zu bringen. Sie sind den wesentlichen Anforderungen an Ablauf, Inhalte und Dokumentationsumfang und –tiefe des Konformitätsbewertungsverfahrens vertraut. Sie können das Risikomanagement und die Gebrauchstauglichkeit angemessen berücksichtigen und über den gesamten Lebenszyklus aktualisieren. Sie kennen die Vorgehensweise der Leistungsbewertung und Leistungsbewertungsprüfung als Nachweis der Eignung für die jeweilige Zweckbestimmung, Indikation und der Erfüllung der Leistungsdaten.

Zertifizierte Lehrgänge mit TÜV-Abschluss

Die Reihenfolge der Module ist in dem Lehrgang frei wählbar. Sie erwerben innerhalb von drei Jahren (beginnend mit dem ersten Seminartag) stufenweise Ihre persönliche Qualifikation. Alle Module sind auch unabhängig des modularen Lehrgangs einzeln buchbar. Wählen Sie hierfür einfach Ihre passende Weiterbildung:
 

Responsible Person for Regulatory Compliance IVDR (TÜV).

Dieser modulare Lehrgang ermöglicht es Ihnen stufenweise, Ihre persönliche Qualifikation zur verantwortlichen Person für die Einhaltung der Regulierungsvorschriften zu erwerben, die von der EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika (EU 2017/746) für alle Hersteller von IVD verpflichtend gefordert wird. Durch die erfolgreiche Teilnahme an allen fünf Seminarmodulen und bestandener Prüfung erbringen Sie den Nachweis Ihrer Qualifikation und Kompetenz, dass Sie mit den Aufgabenbereichen, Verantwortlichkeiten und Pflichten einer "Responsible Person" gemäß IVDR vertraut sind, um diese Funktion in Ihrem Unternehmen wahrnehmen zu können.

Zertifizierte Lehrgänge mit TÜV-Abschluss

Die Reihenfolge der Module ist in dem Lehrgang frei wählbar. Sie erwerben innerhalb von drei Jahren (beginnend mit dem ersten Seminartag) stufenweise Ihre persönliche Qualifikation. Alle Module sind auch unabhängig des modularen Lehrgangs einzeln buchbar. Wählen Sie hierfür einfach Ihre passende Weiterbildung:

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Unsere aktuelle Empfehlung für Sie

9. Nürnberger Medizinprodukte-Konferenz 2020. Save the Date!

Aufgrund der andauernden Auswirkungen der Corona-Pandemie führen wir die 9. Nürnberger Medizinproduktekonferenz von TÜV Rheinland zu unser aller Sicherheit diesmal online durch. Der MDR Geltungsbeginn ist zwar um ein Jahr verschoben und es gibt inzwischen zu vielen Themen MDCG-Guidances, trotzdem bleiben die Schwierigkeiten bei der Umsetzung bestehen. Die Vorträge der 9. Nürnberger Medizinproduktekonferenz bieten Ihnen aktuelle Informationen u.a. zu den vorhandenen Rechtsakten, harmonisierten Normen und fokussieren die Anforderungen an Cybersecurity und den Einsatz von KI.

Empfehlung
Neu
Expertentreff für Hersteller, Zulieferer, Inverkehrbringer sowie Behörden und Benannte Stellen.

IVDR - Die neuen Anforderungen für In-Vitro-Diagnostik-Hersteller in Europa

Interview mit Sven Hoffmann, Leiter IVD der Benannten Stelle TÜV Rheinland LGA Products GmbH.

Durch die Einführung der neuen IVD Verordnung 2017/746 kommt viel Arbeit auf Hersteller und Benannte Stellen zu. Was waren die Gründe für die grundlegende Überarbeitung der alten Direktive 98/79/EG (IVDD)?
Die Gründe sind vielfältig, entsprechend hat sich die Überarbeitung der IVDD auch über viele Jahre erstreckt. Insgesamt sah man hinsichtlich der IVD-Richtlinie, 20 Jahre nach Inkrafttreten, eine große Notwendigkeit diese gesetzliche Grundlage für die sich weiterentwickelnde Landschaft der In-vitro-Diagnostika anzupassen. So hat bspw. das Thema „Software“ mit der zunehmenden Automatisierung und Vernetzung im Gesundheitsbereich auch für IVDs signifikant an Einfluss gewonnen. Dies wurde in der alten Direktive 98/79/EG nicht mehr ausreichend abgebildet. Noch deutlicher ist dies im Falle der therapiebegleitenden Diagnostika (CDx: Companion Diagnostics). Dieses sich rapide entwickelnde Feld der personalisierten Medizin stellt neue, hohe Herausforderungen an die regulatorischen Prozesse und wird in der neuen Verordnung erstmalig spezifisch geregelt.
Grundsätzlich kann auch das „alte“ listenbasierte Klassifizierungssystem der IVDD als Treiber für die Überarbeitung angesehen werden, sowie die Tatsache, dass bisher nur für wenige Marker eine Benannte Stelle erforderlich war.

Was sind die wichtigsten Änderungen?
Das neue risikobasierte und regelbasierte Klassifizierungssystem in der IVDR ist sicherlich eine der bedeutendsten Änderungen. Durch dieses werden schätzungsweise 85-90 % der zukünftigen Konformitätsbewertungsverfahren unter Einbindung einer Benannten Stellen erfolgen müssen, unter der IVD-Richtlinie betrug dieser Anteil nur ca. 10-15%. Im Zuge der neuen Verordnung (EU) 2017/746 müssen die Hersteller eine „verantwortliche Person“ bereitstellen, deren Aufgabe die Überwachung und Einhaltung von Regulierungsvorschriften von Produkten vor und nach der Markteinführung ist und die die hierfür nötige Kompetenz haben muss. Weiterhin sind die Anforderungen an die Leistungsbewertung in Form des „klinischen Nachweises“ gestiegen, der sich in die wissenschaftliche Validität, die analytische Leistung, sowie die klinische Leistung gliedert. Neu ist hier auch die vorgegebene Form der Dokumentation. Letztendlich soll durch den „klinischen Nachweis“ der klinische Nutzen und die Sicherheit eines IVDs dargestellt werden. Erweitert wurden auch die Verantwortlichkeiten und verpflichtenden Aktivitäten sämtlicher „Wirtschaftsakteure“, also alle Beteiligten in der Lieferkette, wie Importeure, Distributoren und europäische Repräsentanten. Viele Details, die vormals nur in "Guidance"-Dokumenten oder harmonisierten Normen zu finden waren, haben nun den Weg direkt in den Gesetzestext "geschafft". Insgesamt steigen die Anforderungen an Hersteller, aber auch an die Benannten Stellen durch die neue Verordnung deutlich. Dabei geht es nicht nur um den Aufbau von zusätzlichen personellen Ressourcen, sondern auch um Kompetenzaufbau, um den gestiegenen Anforderungen gerecht werden zu können.

Was sind die Auswirkungen auf die Hersteller?
Die Auswirkungen auf die Medizinproduktehersteller sind sicherlich signifikant und bedürfen entsprechend einer langfristigen Planung der vorhandenen bzw. noch aufzubauende Ressourcen und Kompetenzen. Zusätzlich ist es sinnvoll frühzeitig einen Maßnahmenplan zu erstellen, um die zu schließenden produktbezogenen „Lücken“ anzugehen. Gerade große Unternehmen mit breitem Produkt-Portfolio („Legacy Products“) werden dies sicherlich genau analysieren. Jedoch werden aus unserer Sicht gerade auch die kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMUs) vor große Herausforderungen gestellt, den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Mit den zahlreich geforderten Dokumentations- und Nachweispflichten wird sich die „Eintrittshürde“ weiter erhöhen, da sowohl die finanziellen als auch die personellen Ressourcen häufig limitiert sind. Eine weitere, generelle Unsicherheit ist die Verfügbarkeit der Ressourcen auf Seiten der Benannten Stellen. Diese müssen sich alle unter der IVDR neu benennen lassen. Durch die gestiegenen personellen Anforderungen und den Benennungsprozess durch die Europäische Kommission, ist dieser Prozess langwierig und wird für einige Benannte Stellen nicht zu meistern sein. Dadurch wird sich die Zahl der Benannten Stellen weiter dezimieren, was zu Engpässen bei den verfügbaren Kapazitäten führen könnte. Betrachtet man die bereits erwähnte Vervielfachung der zukünftig notwendigen Einbindung einer solchen, ist dies sicherlich eine kritische Entwicklung.
Generell besteht ein hoher Bedarf an verfügbaren Medizinprodukten im Gesundheitswesen. Eine Einschränkung dieser Verfügbarkeit könnte spürbar negative Folgen auf die Patientenversorgung haben. Hier sind auch die Europäische Kommission, sowie die Mitgliedsstaaten gefordert, um einen möglichst reibungslosen und zügigen Ablauf der Benennung Benannter Stellen zu gewährleisten. Im Falle der IVDR gehen wir derzeit davon aus, dass ab Mitte 2019 mit der Benennung der ersten Stellen zu rechnen ist, unter denen wir natürlich sein möchten.

Die IVDR erlangt am 26.05.2022 die alleinige Gültigkeit. Was bedeutet dies für die Übergangsphase?
Entsprechend den deutlich gestiegenen Anforderungen sollten Hersteller bereits frühzeitig in der Übergangsphase mit der Vorbereitung und Planung beginnen. Vorhandene Produkte bzw. deren Technische Dokumentationen sollten kritisch geprüft werden, inwieweit Lücken in der Nachweisführung bestehen, z.B. hinsichtlich des Anhangs II (klinischer Nachweis) bzw. Anhangs III (Post-Market Surveillance). Unter Umständen könnten neue Leistungsbewertungsstudien erforderlich werden, um das Produkt auch weiterhin CE-kennzeichnen zu können. Auch das Qualitätsmanagementsystem (QMS) sollte kritisch geprüft und angepasst werden, so z.B. im Bereich des „Post-Market Surveillance“ oder hinsichtlich der vertraglichen Regelungen und Schnittstellen mit Wirtschaftsakteuren („Quality Agreements“). Ab dem 26.05.2022 können IVDs nur noch auf Grundlage der IVDR eine CE-Kennzeichnung erhalten. Ausnahmen gibt es für die Produkte, die zu diesem Zeitpunkt noch durch ein gültiges Richtlinien (IVDD)-Zertifikat abgedeckt sind. Auch innerhalb der Übergangsphase können In-vitro-Diagnostika bereits einem Konformitätsbewertungsverfahren nach der IVDR unterzogen und in Verkehr gebracht werden, vorausgesetzt die Benannte Stelle des Unternehmens ist bereits unter der IVDR benannt.
Generell empfehlen wir eine rechtzeitige Kontaktierung einer Benannten Stelle, insbesondere für solche Unternehmen, die bis jetzt mit keiner Benannten Stelle zusammenarbeiten, diese jedoch zukünftig benötigen werden.

Was tun wir, um für unsere Kunden Klarheit zu schaffen?
Der TÜV Rheinland hat schon frühzeitig mit der Vorbereitung auf die neuen Verordnungen begonnen und entsprechend umsichtig geplant. Dies beinhaltet eine globale Kompetenzanalyse, als auch den bereits gestartete Ressourcen-Aufbau. Zudem wurden für die speziellen Bereiche „Medical Apps“ und „Companion Diagnostics“ eigene Projekt-Teams gebildet.
Unser Ziel ist es, den hohen Anforderungen an uns als Benannte Stelle unter der IVDR gerecht zu werden und unsere Kunden hier mit größtmöglicher Kompetenz betreuen zu können. Weiterhin sind wir in unterschiedlichen Arbeitsgruppen und Gremien auf europäischer und nationaler Ebene vertreten, die sich mit der Implementierung der neuen Verordnungen in unterschiedlichen Ausrichtungen beschäftigen. Als Beispiele unserer Teilnahme seien hier der Nationale Arbeitskreis zur Implementierung der neuen EU-Verordnungen über Medizinprodukte und In-vitro-Diagnostika (NAKI) und die „European Association of Notified Bodies for Medical Device“ (Team NB) genannt. Aktives Bestreben ist es hier, die noch ungeklärten Fragen und Unklarheiten hinsichtlich der Forderungen der neuen Verordnung bzw. deren Umsetzung im Rahmen dieser Gremien anzugehen.

Zur Person
Sven Hoffmann ist Leiter IVD der Benannten Stelle von TÜV Rheinland LGA Products GmbH und Global Head Technical Competence Center IVD des TÜV Rheinland.
Beruflicher Hintergrund: Dipl.-Ing. Biotechnologie
Mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich der In-Vitro-Diagnostik, darunter mehrjährige Erfahrung im Produktionsbereich eines der weltweit führenden IVD-Unternehmens, sowie in der universitären Grundlagenforschung. Seit mehr als 10 Jahren tätig im IVD-Bereich der Benannte Stelle TRLP mit entsprechend fundierter Erfahrung als Leitender Auditor, Fachexperte und Zertifizierer. Seit 2015 in leitender Funktion für die Benannte Stelle tätig, als auch als fachlich global Verantwortlicher innerhalb des TÜV Rheinland für den Bereich IVD. In dieser Funktion Vertreter des TÜV Rheinland in Arbeitskreisen und bei Veranstaltungen, u.a. auch zu den Themenbereichen IVDD und IVDR.
In unserem Seminar „Die neue europäische Verordnung über In-Vitro-Diagnostika" erhalten Sie einen Überblick über Änderungen, die neuen Pflichten und Verantwortlichkeiten, damit Sie die neuen Anforderungen entsprechend regelkonform umsetzen können.

CDx - Die zukünftigen Herausforderungen für Hersteller und Benannte Stellen unter der IVDR

Interview mit Dr. Rolf Thermann, Projektleiter Companion Diagnostics, Benennte Stelle TÜV Rheinland LGA Products GmbH

Therapiebegleitende Diagnostika ("Companion Diagnostics", CDx) gewinnen als integraler Bestandteil der Präzisionsmedizin immer mehr an Bedeutung, jetzt werden sie auch erstmalig in der neuen EU-Verordnung über In-Vitro-Diagnostica (2017/746, IVDR) erwäähnt und somit auch regulatorisch strikter erfasst - warum?
Die Anwendung therapiebegleitender Diagnostika im Rahmen der zielgerichteten Therapie ist ein vergleichsweise junger therapeutischer Ansatz und war zum Zeitpunkt der Einführung der Richtlinie 98/79/EG über in-vitro Diagnostika (IVDD) 1998 noch nicht großflächig im Markt etabliert. Therapie-begleitende Diagnostika liefern bekanntlich Biomarker-basierte Informationen, die ausschlaggebend für die Verwendung eines bestimmten pharmazeutischen Produkts sein können.
Das hiermit verbundene Risiko wurde in der bestehenden EU-Richtlinie nicht ausreichend abgebildet. Die Produktgruppe der therapiebegleitenden Diagnostika findet in der Richtlinie keine Erwähnung und wird folglich als „sonstiges IVD“ klassifiziert. Das Konformitätsbewertungsverfahren erfolgt allein durch den Hersteller und somit ohne Einbindung einer Benannten Stelle. Dies steht im deutlichen Gegensatz zur US-amerikanischen FDA, wo therapiebegleitende Diagnostika zumeist in die höchste Risikostufe (Class III) eingestuft werden und es somit eines komplexen Zulassungsverfahrens unter Beteiligung der FDA selbst bedarf. Der Handlungsbedarf wurde durch die Europäische Kommission erkannt und im Rahmen der neuen Verordnung über in-vitro Diagnostika (2017/746, IVDR) umgesetzt.

Was hat sich im Detail geändert?
In der neuen EU-Verordnung werden therapiebegleitende Diagnostika nun erstmalig benannt, definiert und, bedingt durch das hohe individuelle Risiko, in die zweithöchste Risikoklasse (Klasse C) eingestuft. Hierdurch ist eine Benannte Stelle in das Konformitätsbewertungsverfahren miteinzubeziehen. Neben den ohnehin deutlich gestiegenen Anforderungen an die klinische Leistungsfähigkeit eines Produktes und den klinischen Nachweis, sieht die neue Verordnung auch ein Konsultationsverfahren zwischen der Benannten Stelle und der für das korrespondierende Arzneimittel (Rx) zuständigen Zulassungsbehörde (EMA oder länderspezifische Arzneimittelbehörden) im Rahmen der Bewertung der Technischen Dokumentation des CDx vor. Dies hängt mit der Einzigartigkeit dieser Produkte zusammen, da CDx gemäß Definition nur in Verbindung mit einem bestimmten Arzneimittel zum Einsatz kommen und somit das effektive Zusammenspiel dieser Kombination durch Arzneimittelbehörde auf der einen Seite und Benannter Stelle auf der anderen Seite bewertet werden muss. Die Interaktion durch das Konsultationsverfahren ist in der Verordnung verpflichtend gefordert und dient der Abstimmung der jeweiligen Entscheidungsprozesse. Die Benannte Stelle trifft innerhalb des Verfahrens in Bezug auf das CDx die endgültige Entscheidung und stellt die EU-Bescheinigung über die Bewertung der Technischen Dokumentation aus, muss hierbei jedoch die Einschätzung der Arzneimittelbehörde bei ihrer Entscheidung berücksichtigen. Die Verantwortlichkeiten und Befugnisse zwischen Benannter Stelle und Arzneimittelbehörde sind in der IVDR klar definiert, jedoch gibt es hier bei der Implementation der Prozesse und Prozeduren noch einiges zu tun.

Was würden Sie den Herstellern von therapiebegleitenden Diagnostika empfehlen?
Zuerst einmal eine enge und zeitnahe Abstimmung mit einer Benannten Stelle, die über entsprechende Kompetenzen verfügt. Hersteller von CDx haben unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich des Inverkehrbringens ihrer CDx Produkte unter der IVDR, sei es z.B. die Neuentwicklung eines CDx zusammen mit dem dazugehörigen Arzneimittel (Co-development) oder das Inverkehrbringen von sog. „Legacy Products“ (Bestandsprodukten), also bereits auf dem Markt befindlichen Produkten. Dies sollte frühzeitig mit der Benannten Stelle diskutiert werden. Gerade bei den „Legacy Products“ ist es essentiell, sich früh mit der Neuzertifizierung unter der IVDR zu befassen, da hier viele Produkte bislang kein Konformitätsbewertungsverfahren unter Einbindung einer Benannten Stelle durchlaufen haben und somit vor dem 26.05.2022 auf der Basis der neuen Verordnung neu zertifiziert werden müssen. Auf dem Markt befindliche CDx-Produkte, bislang CE-markiert auf der Basis der Konformitätsbewertung alleinig durch den Hersteller, dürfen ab diesem Datum nicht mehr in Verkehr gebracht werden.
Hier sollte nochmal Erwähnung finden, dass es unter der IVDR kein „Grandfathering“ gibt, d.h. dass auch schon auf dem Markt befindliche Produkte grundsätzlich wie neue Produkte bewertet werden müssen. Gerade deswegen sollten Hersteller frühzeitig eine interne Bewertung der Technischen Dokumentation dieser Produkte vornehmen und diese mit der Benannten Stelle diskutieren. Obwohl die IVDR für Klasse C Produkte prinzipiell ein Stichprobenverfahren bei der Bewertung der Technischen Dokumentationen durch die Benannte Stelle vorsieht, ist dies für therapiebegleitende Diagnostika ausgeschlossen. Hier muss jede Technische Dokumentation ohne Ausnahme vor dem Inverkehr- bringen durch die Benannte Stelle bewertet werden. Wir empfehlen hier einen rechtzeitigen Abgleich der bestehenden Technischen Dokumentation und den erhobenen Leistungsbewertungsstudien mit den Anforderungen der IVDR um zu verhindern, dass bestehende Produkte zukünftig nicht mehr in Verkehr gebracht werden können und somit auch die dazugehörigen Arzneimittel nicht mehr entsprechend der Zweckbestimmung verwendet werden dürfen. Dieses Szenario wird sicherlich Teil der zukünftigen Diskussionen zur Abstimmung der generellen Interaktionsprozesse zwischen uns und den Arzneimittelbehörden sein. Die Frage, die sich hier sicherlich nicht nur aus unserer Sicht stellt ist, wie man sinnvoll fehlende Daten der klinischen Leistungsfähigkeit für ein bestehendes Produkt ergänzen kann. Oftmals ist es aus ethischen Gesichtspunkten nicht gerechtfertigt, neue klinische Studien für solche Produkte aufzusetzen und häufig ist auch kein Probenmaterial für retrospektive Studien mehr verfügbar. Eine generelle Vorgehensweise oder Leitfaden für dieses Problem wird es wohl mittelfristig nicht geben und ist auch schwerlich möglich. Im konkreten Fall kann jedoch geprüft werden, ob z.B. Daten aus der Pharmakovigilanz, des „Post-Market Surveillance“ oder anderer Publikationsquellen in die Bewertung der klinischen Leistung miteinbezogen werden könnten. Dies ist auch in der IVDR so vorgesehen. Der TÜV Rheinland leitet die Arbeitsgruppe der Benannte Stelle bezüglich der Companion Diagnostics, in der spezifische, offene Fragestellungen in der Konformitätsbewertung erarbeitet werden sollen. Dies beinhaltet auch eine enge und inhaltliche Abstimmung mit der EMA.

Was sind die zukünftigen Herausforderungen an Hersteller und Benannte Stellen?
Eine große Herausforderung ist hier sicherlich die Markteinführung von neuen innovativen Produkten so zu begleiten, dass es nicht zu intolerablen Verzögerungen kommt. Im Unterschied zu der FDA, die sowohl verantwortlich für Arzneimittelzulassungen als auch das Inverkehrbringen von in-vitro Diagnostika ist, werden in der Europäischen Union Rx-CDx Produktkombinationen durch regulatorisch voneinander unabhängige Institutionen, nämlich Benannte Stelle für das CDx und Arzneimittelbehörde für das Rx, bewertet. Dies erfordert eine sehr gute Abstimmung zwischen beiden Parteien, um einen reibungslosen Ablauf bei der Markteinführung zu gewährleisten. Eine weitere Herausforderung sehen wir, im positiven Sinne, im Technologiewandel, der im Zusammenhang mit dem Begriff der „Next Generation Companion Diagnostics“ eine wichtige Rolle spielt. Durch den Einsatz neuer Hochdurchsatztechnologien, wie z.B. dem „Next Generation Sequencing“, ist es möglich, tumorspezifische Signaturen für unterschiedliche Krebsarten zu identifizieren und somit einen CDx-Test für die Behandlung unterschiedlicher Tumorerkrankungen mit unterschiedlichen Arzneimitteln zu verwenden. Des Weiteren könnte die Einführung der nicht-invasiven Probenentnahme durch „liquid biopsy“ zukünftig die komplizierte Entnahme von erkranktem Gewebe als Methode zur Probengewinnung umfänglich ablösen. Dies würde nicht nur die Belastung für den Patienten reduzieren, sondern auch Testwiederholungen vereinfachen. Die Benannten Stellen sind hier klar aufgefordert, diesen Technologiewandel fachlich zu begleiten und ihre Kompetenzen dementsprechend anzugleichen. Dieser Verantwortung möchten und werden wir uns stellen und sehen uns in diesen innovativen Bereichen bereits global gut aufgestellt.

Seminarübersicht

In unserer Seminarübersicht finden Sie alle unserer Weiterbildungsangebote aus dem Bereich "Medizintechnik“ auf einem Blick.

Medizintechnik Broschüre 2021

Sicherheit bei Design, Entwicklung, In-Verkehr-Bringen, internationaler Zulassung, Marktbeobachtung. Für einen Gesamteindruck über unser bundesweites Medizintechnik-Seminarportfolio werfen Sie einen Blick in unsere aktuelle Broschüre für das Jahr 2021.

PDF, 92 Seiten, 2,8mb

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